Wandern auf Kreta // Oder die zweite Nahtod-Erfahrung des Urlaubs

Hallo ihr lieben. Wer jetzt verwirrt die Überschrift liest und sich denkt: Wie Nahtod-Erfahrung im Urlaub? Dem sei gesagt: Erstens, es ist alles gut ausgegangen und hat diese wunderschönen spektakulären Bilder hervorgebracht, also war es das wert. Und zweitens, wer sich fragt, was eigentlich die erste Nahtod-Erfahrung war, dem kann ich sagen, die ist noch nicht verbloggt. Denn diese Anekdote, die trotz allem auch ein Wandertipp für Kreta ist, wollte ich euch nicht vorenthalten und zuerst posten. Aber lest selbst.

Kreta ist ja übersäht mit Wanderwegen und bei Wanderern sehr beliebt. Da das Wandern bei Mr. X aber nicht so beliebt ist und es meistens bullenheiß war, hatten wir zwar Laufschuhe dabei, aber keine großen Touren geplant. Einmal wenigstens wollte ich dann aber doch mal die Insel zu Fuß erkunden. Urlaubs-Lernfeld Nummer eins: Ein Wanderführer, eine Karte oder zumindest die ausgedruckte Route ist auch sinnvoll, wenn man nur eine Wanderung macht. Aber gut. Am mit Mr. X ausgehandelten Wandertag war dann die große Frage: Wo wollen wir denn jetzt überhaupt hin? Die vielgelobte San Maria Schlucht schien uns in der Hochsaison zu überlaufen. Da wir im Urlaub gerne ausschlafen, musste ein näheres Ziel her, wo nachmittags bis in die Abendsonne gelaufen wird und wir uns nicht der größten Hitze aussetzen müssen, so der Plan.

Der Vorschlag von Vermieter George passte da ganz gut: Von Sougia aus mit dem Taxi oder Bus nach Agia Irini fahren und dann durch die gleichnamige Schlucht wieder nach Sougia wandern. Blöd nur, wenn man den letzten Bus gerade verpasst hat und der einzige Taxifahrer gerade auf der anderen Seite der Insel verweilt. Was jetzt? Der kleine Weg nach Lissos schien uns passend. Lissos ist eine antike Ruinenstadt die laut Schild in 60min Fußmarsch von Sougia einfach erreicht werden kann. Mr. X natürlich froh, dass die große Wanderung flachfällt, war gleich dabei. Ich auch dabei, aber schon ein bisschen enttäuscht, dass es sich um keinen Rundweg handelte, und man hin und zurück die gleiche Strecke laufen musste. Wir sollten uns beide geirrt haben.

Der Weg nach Lissos war einfach zu finden und recht hoch frequentiert. Da wir uns ja vorher nicht weiter informiert hatten, war ich positiv überrascht, dass auch hier eine kleine Schlucht geboten war. Durch den Canyon und über Felsen zwischen blühendem Oleander und unter mediterranen Nadelbäumen schlenderten wir zufrieden vor uns hin. Bis wir an eine Gabelung mit Wegweisern kamen, verlief auch alles nach Plan: „Nach Lissos links abbiegen.“ Das wäre ja recht einfach gewesen. Doch dann kam ein zweites unscheinbares Schild in unser Blickfeld: „To go back to Sougia follow the red signs. Nice View! Roundtrip!” Dieses Schild hat unsere persönlichen Ziele im Unterbewusstsein wohl direkt angesprochen, denn wir haben beide spontan einvernehmlich unsere Lissos-Pläne über den Haufen geworfen. (Gedankenwelt von Mr.X: „Cool, da geht’s zurück nach Sougia, dann sind wir ja bald wieder am Strand und ich muss nicht zu den blöden Ruinen in der Hitze hier weiter laufen“ Gedankenwelt *thea: „Cool ein Rundweg, dann sehe ich nochmal was anderes als den gleichen Weg hier zurück zu laufen“)

Wieso hat verdammt nochmal keiner gedacht: „Wo ist die Karte auf der der Rundweg eingezeichnet ist? Wie lange dauert dieser Rundweg eigentlich? Und wieso geht den keiner der anderen vielen Touristen? Geht dieser Weg eigentlich die steilen Klippen hoch und haben wir für sowas auch genügend Wasser? Neiiiiiin das naive deutsche Pärchen entscheidet sich beschwingt für den Rundweg und findet es zunächst auch noch unterhaltsam die roten Punkte zu suchen, die als Wegweiser auf die Felsen gesprüht sind. Diese Fragen drängten sich mir erst auf, nachdem die Zeichen uns zwei Stunden lang in der Hitze die Klippen hoch geführt hatten und keine Anstalten machten, einen Abstieg auch nur anzudeuten. Über eine Ebene mit wildem Thymian ging es weiter zur nächsten Klippe. Und als wir unser schönes Küstenstädtchen genau unter uns hatten, und ich die volle Orientierung im Blick: Führen diese Sch-Drecks Punkte doch wieder weiter nach oben die Berge hinauf anstatt hinunter zum Parkplatz!

Zu diesem Zeitpunkt war das Wasser schon getrunken und uns auch nach Stunden auf diesem Weg kein einziger Mensch begegnet. Nicht mal eine Ziege! Auch klar war, dass zwischen dem Gestrüpp und den Felsen ein Weg auf eigene Faust die Klippen runter ein Ding der Unmöglichkeit ist. Leicht überanstrengt wurden dann nochmal die Kräfte mobilisiert und der Aufstieg in Angriff angekommen. So, und wer jetzt eine Wanderkarte gehabt hätte, hätte da oben gewusst, dass er sich auf einem Aussichtspunkt und der Spitze des Rundwegs befindet. Hätte die Aussicht genossen und entspannt den Abstieg in Angriff genommen. Wer aber keinen Plan hat, merkt nur, dass er Mitten auf einer Klippe steht und die Wegweiser plötzlich enden. Waren sie vorher zwar manchmal schwer zu finden, aber doch immer zuverlässig angezeichnet, ging es jetzt einfach nicht weiter.

Während die Dame des verzweifelten Wander-Pärchens nun vor lauter Schiss Herzrasen bekommt und Sternchen im Blickfeld hat, stapft der Herr im Hintergrund wütend durchs Bergpanorama und ruft „Dieses verdammte Land“. Dieses Szenario sieht von außen bestimmt lustig aus, aber in dem Moment habe ich mich nur gefragt, ob es in Griechenland sowas wie einen ADAC Hubschrauber gibt…Nachdem Mr. X unsere Vermieterin angerufen hatte, und die nicht mal wusste, dass es einen Rundweg von Lissos weg gibt, wurde die Stimmung nicht wirklich besser. Die einzige Möglichkeit, die uns einfiel, war Punkt für Punkt den ganzen Weg wieder zurück zu laufen. Nicht gerade förderlich war, dass es so langsam dämmerte und wir kein Wasser mehr hatten aber gut.

Doch als ob die griechischen Götter plötzlich meinten, dass die Prüfung für die dummen Touris nun genug ist, ging der Rückweg irgendwie schnell bergab und die Punkte waren auch leicht zu finden. Tja, wenn wir gewusst hätten, dass man auf dem Rundweg planmäßig ein Stück den gleichen Weg zurück laufen muss, hätte es auch kein Drama gegeben. Glück im Unglück, waren wir dann in einer halben Stunde wieder am Auto, obwohl ich mich schon auf eine vierstündige Tour zur Schlucht zurück ohne einen Tropfen Wasser eingestellt hatte. Ich habe den Weg im Nachgang gegoogelt (besser spät als nie, haha) und dann erstmal verstanden warum man wieder zurück laufen musste. Siehe Pfeil. So: Und wenn ihr jetzt denkt: Nie wandern auf Kreta, dann muss ich euch sagen: Nehmt genau diese Route, sie ist wunderschön! Aber nehmt genug Wasser mit und informiert euch vorher. Sich nur auf spontane Eingebungen und rote Punkte zu verlassen, die irgendwelche Leute irgendwann dahin gesprüht haben, kann ziemlich anstrengend sein.

So, gibt es jemanden, der es geschafft hat, diesen Text bis zum Ende zu lesen, ja? Sorry für den Wortschwall diese Anekdote musste raus. Und wie gesagt, die Bilder sind doch wirklich toll, oder? Das nächste Mal würde ich vielleicht in der Nebensaison Urlaub auf Kreta machen, dann ist es auch nicht so heiß und so anstrengend. Dann aber mit Wanderkarte und Rucksack mit Getränken für jeden und dann auch mehr anschauen, zB die Agia Irini Schlucht. Oder San Maria…Ihr seht, ich würde es wieder tun – nur anders halt ;-)) Hattet ihr im Urlaub auch schon mal solche Erfahrungen oder Panik-Attacken? Und ging es auch so glimpflich aus? Ich sage ja immer, solche Erlebnisse sind später die besten Geschichten, aber halt nur danach ;-)) Der nächste Reisepost wird wieder kürzer, versprochen! Bis dahin alles liebe, *thea

Und hier nochmal ein Link zu meinem ersten Kreta-Post, mit Unterkunft-Tipp etc.

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