Gehirnfaschingszug // Gleichberechtigung und so

Gedanken zur Gleichberechtigung3Vorab: Eigentlich wollte ich nur mal meine Gedanken zum Thema Gleichberechtigung ordnen. Das Chaos im Kopf war doch ganz schön groß und aus dem Gehirnfasching wurde ein ganzer Faschingszug! Ich wollte jetzt aber auch nicht zwei oder drei Posts draus machen weil es für mich irgendwie zusammen gehört – daher: Entschuldigung für die Länge – ich hoffe trotzdem auf euer Interesse beim Lesen!

Bei der SZ gibt es gerade einen Schwerpunkt zum Thema „Gleichberechtigung heute“. Ich habe mich dabei erwischt, dass ich erstmal gar nicht reingeklickt habe, aus einem unterschwelligen Gefühl aus Resignation und Langweile heraus. À la: „Es ist ja eh so wie es ist und das habe ich alles auch schon zehnmal gelesen“. Und dann habe ich dieses Video gesehen – und plötzlich war er wieder da, mein vorher unterdrückter Gerechtigkeitssinn und das Gedankenkarussel fing an sich zu drehen. Denn ich frage mich ernsthaft und ärgere mich über mich selbst, warum ich schnell dabei bin, eine Position zu beziehen, wenn es um die Rechte von Flüchtlingen, um Themen wie Massentierhaltung oder die Näherinnern von H&M geht und wenn es aber um meine eigene Rolle in der Gesellschaft geht, plötzlich keinen Bock mehr habe?

Weil ich vielleicht schon ganz zufrieden bin, mit der Gleichberechtigung und meinen Chancen und Möglichkeiten in dieser Gesellschaft? Oder weil der Begriff Feministin erstmal als uncool gilt – auch bei vielen Frauen? Das Hardcore-Emanzenbild, zu dem man nicht gehören will? Rosa Luxemburg, Alice Schwarzer, will ich mich mit diesen Frauen identifizieren? Das muss man doch aber gar nicht. Das waren andere Zeiten und die haben andere Aussagen erfordert. Denn Dank dieser Frauen sind einige ihrer Aussagen so heute nicht mehr nötig. Aber deswegen ist immer noch nicht alles gold was glänzt und es lohnt sich doch ab und zu über das aktuelle Frauenbild beziehungsweise über die Rolle der Frau in der heutigen Zeit nachzudenken.

Früher habe ich viel idealistischer diskutiert. Mittlerweile bin ich älter und weiß, dass es kein schwarz und weiß gibt. Aber ich weiß ernsthaft nicht mal ob ich für oder gegen eine Frauenquote sein soll? Mannmannmann. Neben dem Vorhaben, mich mehr zu informieren, um differenzierter und eben nicht mit platten Aussagen eines wütenden Teenagers Stellung beziehen zu können, habe ich trotzdem etwas reflektiert. Weil dieser Blog ja auch ein Ort sein soll, um meine Gedanken zu ordnen und vielleicht auch, um euch ein bisschen zum Nachdenken anzuregen. Weil solche Themen im Alltag ja oft untergehen.

Was mich nachdenklich macht:

Frauen in Deutschland verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Bis zur Einführung des Mindestlohns waren es übrigens noch 22 Prozent – weil der Lohn von viel mehr Frauen als Männern unter dem Mindestlohn lag. Oft bekommen Männer für den gleichen Job mehr Geld – das ist einfach unfair. Oft sind aber auch mehrheitlich Frauen bereit, in schlecht bezahlten Branchen zu arbeiten. Warum? Ist es Idealismus? Soziale oder auch kreative Arbeit – nur ein Beispiel – ist „weniger“ wert, wenn es um die Bezahlung geht – oft klassische Frauenbranchen. Aber die Berufswahl ist ja auch ein selbstgewähltes Schicksal. Also wollen wir die Gleichberechtigung nicht, wenn wir uns für Jobs interessieren, die schlecht bezahlt werden? Oder nehmen es Frauen einfach leichter hin, dass Jobs, die ihren Neigungen entsprechen, weniger wert sind? Gibt es das überhaupt wirklich? Jobs die weiblichen Neigungen entsprechen – oder wurde uns das nur jahrelang eingetrichtert? Mögliche Antworten darauf gibt dieser Artikel, der beschreibt, dass die Gesellschaft immer noch die Arbeit von Frauen als geringwertiger betrachtet. Unabhängig von Eltern- oder Teilzeit. Es liegt eben nicht unbedingt an der Art der Arbeit sondern es gibt Beobachtungen, dass immer, wenn ein Berufsfeld mehrheitlich von Frauen ausgeübt wird, der Lohn langsamer steigt, bzw. niedriger ist. Dass das im Jahr 2016 immer noch so ist, macht mich sehr nachdenklich.

Ich finde nicht, dass es zwingend so viele Ingenieurinnen wie Ingenieure braucht oder die Hälfte aller Dax-Konzerne von Frauen geleitet werden müssen – aber schön wäre es trotzdem oder? Denn die gläserne Decke gibt es in vielen Bereichen eben doch noch und die Frauen, die es möchten, haben schlechtere Chancen als ihre männlichen Kollegen. Viele Frauen haben aber auch gar nicht so starke berufliche Ambitionen und sind glücklich darüber, zum Beispiel mehr Zeit bei ihren Kindern zu verbingen, als das männliche Elternteil. Aber einige wären bestimmt anders glücklicher. Und es gibt auch Männer, die entgegen des Rollenklischees ernst genommen werden möchten, wenn sie Teilzeit arbeiten wollen. Aber das sind prozentual immer noch sehr wenige. Ich glaube, dass viele Paare gar nicht auf die Idee kommen, es mal „andersrum“ oder eben „aufgeteilt“ zu gestalten. Wie in diesem Artikel beschrieben, ist es zwar schon lange nicht mehr so, dass die typische Frau ausschließlich zuhause bleibt, aber dass der Mann länger als zwei Monate Elternzeit nimmt oder Teilzeit arbeitet, kommt selten vor. Das muss jeder einzelne auch ganz individuell für sich entscheiden und ich kann die Gründe dafür sehr gut verstehen. Aber dass es in Summe bei so vielen Famlien in Deutschland so gelebt wird und die meisten es sich für sich gar nicht anders vorstellen können, liegt glaube ich schon am „klassischen“ Rollenbild und eben daran, dass Männer mehr verdienen.  Viele Frauen achten ja immer noch bei der Partnerwahl darauf, dass er mehr verdient als sie selbst – eben weil sie gerne einen „Versorgertypen“ hätten – und untermauern so das Rollenbild weiter. Das wäre an sich ja kein Problem, wenn man einmal von der finanziellen Abhängigkeit absieht, die wirklich ein Problem ist.

Trotzdem – und das ist das, was auch ich in meinem persönlichen Umfeld beobachten kann, gibt es mittlerweile schon lange auch den Trend zu „gleich und gleich gesellt sich gern“ – also viele Paare, die aus einer ähnlichen Bildungs- und Gehaltsschicht kommen und Frauen, die sich durchaus selbst versorgen können. Zwar ist es mit Kindern immer typisch, dass erstmal die Frau zuhause bleibt – sie ist ja auch die, die das Kind zur Welt bringt und meistens auch stillt. Aber ich kenne auch Väter, die beispielsweise wenn die Kinder schon etwas älter sind, selbstverständlich auch mal früher gehen oder im Homeoffice arbeiten, weil die Frau auch wieder arbeitet und zum Beispiel Elternabend ist oder das Kind abgeholt werden muss. Viele Väter wollen keine Überstunden schrubben und Zeit mit ihren Kindern verbringen. Und ich hoffe, dass die Entwicklung weiter in diese Richtung geht. Dass es neben dem Modell des männlichen Versorgers eben auch noch viele andere Modelle gibt, bei denen beide Geld und Familienzeit einbringen können. Und dass mehr Männer in Zukunft auch mal eine berufliche Auszeit einlegen können, ohne dass es einer Kündigung gleich kommt. Das wäre ja nicht nur bei Kindern wichtig, sondern auch, wenn zum Beispiel ältere Menschen gepflegt werden müssen.

Und dann gibt es noch solche Punkte, die mich wirklich wütend machen:

Sprüche wie: „Na mit dem Minirock muss sie sich doch nicht wundern, wenn sie abends alleine nach Hause läuft und sexuell belästigt wird.“ Wenn Männer ihre Finger nicht bei sich lassen können, ohne Einverständnis der Frau ist die Frau nicht schuld! Niemals! Jeder sollte angsfrei immer nach Hause laufen können, egal ob männlich oder weiblich. Auch regt es mich auf, wenn Leute glauben, dass es sexuelle Belästigung erst seit der Flüchlingskrise gibt. Es gab Zeiten, da bin ich von der Wiesn heim, weil ich beim durchlaufen im Zelt permanent Hände auf meinem Arsch hatte. Ich habe auch schon schlimmeres erleben müssen. 2009. Lange vor Köln und Co. Es ist also jahrelang gelebte Normalität in Deutschland, dass man als Frau mit so etwas rechnen muss. Und das regt mich am allermeisten auf.

Stutenbissigkeit. Ich hasse schon alleine das Wort. Frauen, die sagen: „Ach ich arbeite viel lieber mit Männern zusammen, das ist nicht so kompliziert“  gehen mir tierisch auf den Geist. Was soll das denn bitte für eine Aussage sein? Ich hatte auch mal schon Ärger mit einer Kollegin,  aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, den Grund dafür ausschließlich beim Geschlecht zu suchen. Die Schlussfolgerung wäre ja, dass Weiblichkeit die General Ent- oder auch Be-Schuldigung für unkollegiales Verhalten ist. Ich bin überzeugt: Verschiedene Charaktere arbeiten verschieden gut zusammen. Das liegt nicht am Geschlecht und mit solchen Aussagen wertet sich eine Frau doch selbst ab. Wenn ich sage, dass ich lieber mit Männern zusammen arbeite, impliziere ich ja, dass ich mich selbst nicht als Kollegin haben möchte. Gilt genauso für den Freundeskreis. Mädels, die immer sagen: Ach ich habe ja nur männliche Freunde, Frauen sind mir zu kompliziert. Suchst du dir deine Freunde nur nach dem Geschlecht aus? Was ist mit Humor, Interessen, Sympathie, Loyalität? Hat das keine Frau außer dir selbst und du bist die weibliche Super-Ausnahme auf diesem Planeten? Mensch Mädels, überlegt dochmal, das wertet uns doch nur selbst ab, wenn wir Frauen-Bashing betreiben! Es sind nämlich ganz oft nicht nur die bösen Macho-Männer, die für ein abwertendes Frauenbild sorgen, sondern die Frauen selbst.

Einmal reflektieren – wie schaut es eigentlich bei mir persönlich aus?

Wenn es um das Thema Gleichberechtigung und die Rolle der Frau geht, sollte man sich auch mal selbst fragen, ob man aufgrund seines Geschlechts an Grenzen stößt – und wenn ja, inwiefern es unglücklicher macht. Ich glaube schon, dass ich mich leider weniger über mein Gehalt definiere als meine männlichen Studienkollegen. Die sind ja mit den gleichen fachlichen Voraussetzungen ins Beruflsleben gestartet und verdienen im Schnitt sicher mehr als ich, weil sie ihre Tätigkeiten nach dem Studium viel zielstrebiger danach ausgerichtet haben. Gehaltsverhandlungen machen mir keinen Spaß und auf häufige Jobwechsel nur aufgrund des Gehalts habe ich auch nicht wirklich Lust, auch wenn es mir natürlich nicht egal ist und ich auch ganz gut verdiene. Aber ist das jetzt ein Frauending oder eher ein persönliches Ding?  Trotzdem arbeite ich in einem Unternehmen, in dem es relativ viele weibliche Führungskäfte gibt und auch Frauen sich gehaltlich entsprechend entwickeln können, was ich sehr an meinem Umfeld schätze.

Und privat? Ich bin Mitte dreißig, bin nicht verheiratet und habe keine Kinder. Ich habe nicht, wie es vor dreißig Jahren bestimmt der Fall gewesen wäre, das Gefühl ein gesellschaftlicher Außenseiter zu sein. Verschiedene Lebensmodelle sind mittlerweile anerkannt. Ich glaube, so richtig kommt das Thema auch erst im Privaten auf, wenn es Kinder gibt, die betreut werden müssen – siehe oben – und da kann ich nicht mitreden. Trotzdem muss ich sagen, dass ich wahrscheinlich nicht mit meinem Freund so entspannt zusammen leben würde, wenn wir keine gleichberechtigte Aufgabenteilung hätten. Auch bin ich froh, dass ich finanziell unabhängig bin und mir – abgesehen von der Miete, die wir uns teilen – auch ohne ihn den gleichen Lebensstandard leisten könnte. Ich habe das Gefühl, dass ich schon gerne sehr viele Seiten auslebe, die klischeehaft weiblich sind. Ich schreibe hier ja auch über Kochen, Einrichten und Mode. Und genauso koche ich gerne und dekoriere unser Zuhause. Aber wenn es ums bügeln, staubsaugen oder aufräumen geht, bin ich als undordentliche Chaotin sicher nicht die richtige Ansprechpartnerin bei uns. Dafür kann ich besser mit der Bohrmaschine umgehen. Und ich wäre echt unglücklich, wenn mein Freund das nicht auch so sehen würde – jeder macht das, was ihm besser liegt – anstatt: Jeder macht das, was das Geschlechterklischee vorgibt. Ich gehe davon aus, dass das mittlerweile bei vielen so aussieht – da hat sich in den letzen Jahrzenten doch schon einiges getan.

Ich bin dankbar für das, was Generationen Frauen geschafft und für uns erreicht haben. Aber ich glaube auch, dass sich eine moderne Gesellschaft immer weiter entwickeln muss. Dafür, dass es weiter geht und nicht stagniert, sind wir mitverantwortlich: Es liegt daran, wie wir unsere Rechte leben und einfordern. Und es liegt daran, zu überlegen, was wir vielleicht anders – oder genauso machen würden wie unsere Eltern und welches Frauen- und Männerbild wir den jüngeren Generationen vorleben möchten – und vor allem wie wir es schaffen, dass Frauen und Männer fair und mit gleichem Maßstab entlohnt werden – egal ob als Single, Paar, Eltern oder alleinerziehend.

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28 Kommentare zu „Gehirnfaschingszug // Gleichberechtigung und so“

  1. „Viele Frauen achten ja immer noch bei der Partnerwahl darauf, dass er mehr verdient als sie selbst – eben weil sie gerne einen „Versorgertypen“ hätten – und untermauern so das Rollenbild weiter. “
    Der Punkt ist nicht, dass Frauen gerne einen Mann hätten, der mehr verdient. Sie wollen einen, der ähnlich gebildet ist. Da diese Männer dann aber – tendenziell – älter sind, daher mehr Berufserfahrung haben, besser Gehälter verhandeln und eben in „Männerjobs“ arbeiten, kommt damit automatisch das höhere Gehalt einher. Tja, und wenn es dann darum geht, auf wessen Gehalt man leichter eine Weile verzichten kann oder wer Teilzeit arbeitet (oder überhaupt eine realistische Möglichkeit auf einen Teilzeitjob hat), ist die Lage somit meistens eindeutig… egal wie modern das Paar eingestellt ist. Von irgendwas muss man ja leben, Idealismus hin oder her. Gibt es einen Haufen soziologische Studien dazu.

    Mein Professor hat übrigens schon vor vielen Jahren gesagt: „wenn du willst, dass ein Job gut bezahlt wird, musst du Männer dazu bringen, ihn zu machen.“ Ich kann nicht mehr genau erklären, woher das mit den schlecht bezahlten Jobs kommt. Ich glaube aber, es kam u.a. daher, dass Männer traditionell die Ernährer waren und Frauen maximal die „Zuverdienerinnen“, daher konnte man Erzieherinnen und Krankenschwestern schlechter bezahlen.

    1. Danke für deinen Kommentar! Ich glaube schon, dass es einigen immer noch wichtig ist, beziehungsweise sie sich komisch fühlen würden, wenn der Mann weniger verdient als sie. Eine große Mehrheit und dazu zähle ich mich auch, schaut auf Bildung etc. Und den Rest entscheidet dann der Pragmatismus, da hast du recht – daher würde ich wahrscheinlich genauso entscheiden – weil eben am Ende mehr netto übrig bleibt – obwohl sich eben am Rollenbild schon einiges gedreht hat – anderes auch nicht. Schlauer Mann, dein Professor – so ähnlich wird es ja auch in dem Artikel beschrieben, das war mir vorher gar nicht so bewusst.

      1. Dankeschön! „Geht es im bisherigen Schneckentempo weiter, wird es bis zur Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern nämlich noch bis zum Jahr 2133 dauern.“ … oh man

  2. Ich sehe das ganz ähnlich wie du. Einerseits glaube ich schon, dass viele Frauen gar keinen großen Wert auf berufliche Karriere legen, denn sie haben teilweise schon den Kinderplan vor Augen, bei dem es eben wichtiger ist ausgewogene Teilzeit nehmen zu können. Aber leider ist es m.E. auch so, dass die Frauen, die eben schon gerne Karriere machen möchten, dies schwerer erreichen, oder eben nur durch wesentlich höheren Aufwand als Männer.

    Neulich habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass die klassischen Rollenbilder noch sehr fest in unseren Köpfen verankert sind: eine Freundin von mir könnte überhaupt nicht nachvollziehen, dass ich mir ehrlich gesagt noch gar nicht so sicher bin, ob ich denn Kinder möchte. Für sie war absolut klar, dass man als Frau auch seiner „Bestimmung“ nachkommen muss, bzw. dass man als Frau doch automatisch auch Kinder will. Und ich Trottel denke noch drüber nach, ob mit mir deshalb was nicht stimmt.

  3. Interessanter Artikel. Aber ich glaube dennoch, dass der burning Point tatsächlich die Kinderfrage ist. Ich habe schon einige Männer gesehen, die sich als Mann und Partner total kuschelig und gleichberechtigt denkend angefühlt haben und dann – bäm – the child reveals the true face. Da mutierten die dann zur faulen Haushaltssocke. Es ist wie eine Spirale. Zuerst stillt die Mutter, bleibt zu Hause und dann kennt sie nur den Inhalt der Wickeltasche, sorgt sich um die sozialen Kontakte und dann bleibt das irgendwie so. Jeder macht das, was er am besten kann? Bei der Versorgung der Kinder ist das oft so, dass die Mütter aufgrund jahrelanger Übung schlichtweg besser darin sind und Kampfsituationen einfacher und effizienter lösen können. Manche entwicklen auch eine Glocke um sich und der Mann kann überhaupt nicht mehr herein. Ich sehe um mich herum manchmal wahre Dramen der Gleichberechtigung. Arbeitet die Mutter wieder, hat sie oft doppelte Arbeit. Die bezahlte und die unbezahlte. Arbeitet sie nicht, so lebt sie in einer rein weiblichen Gesellschaft. Frauen leben tatsächlich miteinander, wenn sie Kinder haben. Und auch unter ihnen gibt es Erfolg, Missachtung und sehr viel Nähe. Kommt da ein Mann dazu, ist das erstmal irritierend. Ich kenne tatsächlich einen Vollzeitvater. Auf Spielplätzen in München ist er mir immer wieder begegnet und es war schwierig für mich, zu verstehen, was er wollte – die Gespräche, die er geführt hat. Die Nachfragen, der Klatsch. Bis ich verstanden habe, dass er sich als Mann in einer weiblich dominierten Gesellschaft zurecht finden muss. Frauen kämpfen, um in die männlich dominierten Gesellschaften einzudringen, aber die weiblich dominierten – die sind auch schwierig zu leben als Mann. Klar, da gibt es jetzt nicht so viele, die da jammern, dass sie als Spielplatz-Bekanntschaft nicht ernst genommen werden und am Kaffeetisch im Kindergarten traut sich auch kein Mann her. Vielleicht, weil sie nicht wollen. Die Frage, die sich für mich manchmal stellt, ist, ob Frauen bereit sind, diese Räume auch zu teilen oder ob Männer sich da nicht engagieren, weil ihr *Erfolg* aufgrund ihres Geschlechts momentan bei 0,0 liegt.

    1. Das mit dem burning Point glaube ich auch. Die Männer sind es eher gewohnt, dass mehr Frauen sich in ihrer klassischen Domäne „Job“ aufhalten – beziehungsweise Ansprüche auf Gleichberechtigung stellen – während die Frauen auf den Vollzeitvater auf dem Spielplatz erstmal komisch anschauen. Der hat bestimmt auch die ein oder andere Geschichte zu erzählen. Und ja, wenn man von der einen Seite mehr will, sollte man bereit sein die anderen Räume auch zu teilen – aber an der Frage, ob viele Frauen dazu auch bereit sind, ist bestimmt was wahres dran. Danke für deinen Kommentar!

  4. Liebe Thea,
    ich habe auch öfter einmal das Gefühl, dass mein Mann im Vergleich zu mir bei vielem bevorzugt wird. Mein Mann und ich führen auch sehr oft Gespräche darüber und er findet es auch ungerecht, dass ich immer für alles so hart kämpfen muss und er wünscht es mir von Herzen, dass sich diese Situation endlich einmal bessert. Ich könnte jetzt 1000 Beispiele aufzählen, aber das würde den Beitrag hier komplett sprengen :-D
    Ich danke dir für deinen sehr ehrlichen Text und ich werde heute bestimmt öfter einmal darüber nachdenken, was du geschrieben hast.
    Ich wünsche dir einen angenehmen Tag, liebe Thea :-*
    Viele Bussis
    Jasmin

    1. Danke für deinen Kommentar – es freut mich, wenn ich ein bisschen zum nachdenken inspirieren konnte – vielleicht schreibst du auch mal etwas über die 1000 Beispiele, die dir eingefallen sind, wo du härter kämpfst als er, würde mich sehr interessieren :D dir auch einen schönen Tag!

      1. Liebe Thea,
        im Moment möchte ich ehrlich gesagt keinen Post über das Thema schreiben, weil ich mir noch ein paar Gedanken darüber machen möchte.
        Ja, also ein Beispiel wäre, dass mein Mann wie ich sehr gute Arbeit leistet, aber zu Beginn sogar das doppelte von mir verdient hat. Ich war einfach gezwungen die Arbeit zu wechseln, sonst wäre ich heute noch eine unterbezahlte und überqualifizierte Arbeitskraft. Also in meinem Falle hat es sehr geholfen die Arbeit zu wechseln. Dadurch konnte ich mich massiv in meinem Gehalt steigern und im Moment liege ich zwar immer noch hinter meinem Mann, aber nicht mehr so, dass ich jeden Tag heulen muss und keine Lust mehr auf Arbeit habe.
        Ich kann bei Gelegenheit auch noch mehr Beispiele benennen ;-)
        Viele liebe Grüße
        Jasmin

      2. Vielen Dank für deine Antwort, liebe Jasmin – ich kann sehr gut verstehen, wenn du über ein Thema, das dich so persönlich trifft und auch beschäftigt nicht öffentlich schreiben willst. Daher freue mich sehr über deine Antwort und vor allem, dass der Jobwechsel sich für dich schonmal gelohnt hat – auch wenn du dafür mehr kämpfen musstest. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Job – und freue mich sehr, dass es hier so einen regen Austausch zu dem Thema gibt – anfangs hatte ich nämlich auch gemischte Gefühle so ein Thema öffentlich zu posten, aber jetzt bin ich wiedermal froh, es getan zu haben <3

      3. Liebe Thea,
        ich wollte eigentlich unter deine zweite Antwort zu meinem Text posten, aber da gibt es komischerweise keinen Antwortbutton.
        Also ich habe überhaupt kein Problem, über dieses Thema auf meinem Blog zu schreiben (ich glaube, ich habe das in meiner ersten Antwort auch gar nicht geschrieben, dass ich nicht öffentlich darüber schreiben möchte ;-)). Ich spreche ja auch sonst immer über alles sehr offen auf meinem Blog.
        Es geht nur darum, dass ich gerne spontan meine Posts erstelle und ich schreibe immer nur zu einem Thema, wenn ich das Gefühl habe, jetzt muss ich es tun. Ich habe auch schon auf einigen anderen Blogs zu diesen Thema eine Antwort geschrieben habe (das Thema scheint momentan bei vielen sehr aktuell zu sein).
        Vielleicht möchtest du uns ja noch ein konkretes Beispiel aus deinem Leben nennen, warum du dich ungleichbehandelt fühlst im Vergleich zu deinen männlichen Kollegen? :-) Oder beobachtest du es einfach nur bei den anderen?
        Viele liebe Grüße und einen wundervollen Donnerstag, meine liebe Thea :-*
        Jasmin

      4. Ok, dann hab ich das wohl missverstanden 😉 das mit dem Button ist komisch… Ich bin mir da mit der Gleichbehandlung bei meiner Situation eben nicht so sicher … Einerseits bin ich in einem Unternehmen, indem es eben auch viele Frauen gibt, die Führungskräfte sind oder/und gehaltlich gut liegen. Andererseits habe ich in meinem bwl Studium mir eigentlich mit meinen Schwerpunkten genau die Felder rausgesucht, die oft von Frauen ausgeübt werden (Marketing, Kommunikation) und gehaltlich meistens eben oft schlechter liegen als zB Logistik oder Controlling. So kann ich es als BWLerin schon beobachten, dass viele Männer zB Unternehmensberater etc werden und die Frauen eher Personal, Marketing etc wählen – und da sind wir wieder bei der Frage: sind wir dann selbst schuld oder ist es eben einfach unfair, dass Berufe, die mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden oft schlechter gezahlt werden? Und als BWLer finde ich es gar nicht mal so krass, weil es ja schon oft auch Männer gibt, die zB ins Marketing gehen – da gibt’s ja ganz andere Berufsfelder wo es viel härter ist. Du siehst ich bin da eher grübelig 😉 dir auch einen schönen Feiertag!

      5. Liebe Thea,
        ach so, ich habe leider keine Ahnung wie es mit BWLern ausschaut. Also bei mir und meinem Mann ist es so, dass ich Jura studiert habe und mein Mann Mathematik. Ich habe damals in einer Kanzlei gearbeitet und ich muss schon mal sagen, dass ich nie wieder für eine Kanzlei arbeiten würde :-D Es gibt bestimmt Kanzleien, die ganz gut bezahlen, aber bei mir war es echt so, dass ich die Arbeit gemacht habe und dann wurde mein Erfolg in einem anderen Namen verkauft und ich habe weder den Ruhm noch das Geld dafür bekommen. Es war wirklich ganz übel. Und ich habe auch mehrere Gespräche wegen einer Gehaltserhöhung geführt und es hieß einfach nur immer, dass man meine Arbeit zu schätzen wisse, aber mehr Geld würde ich trotzdem bekommen. Bei meinem Mann lief es halt von Anfang an ganz anders. Er hat sowohl den Ruhm als auch das Geld für seine Arbeit bekommen. Ich weiß, der Vergleich ist mehr oder weniger ein bisschen schlecht, weil ich ja was ganz anderes studiert habe als mein Mann, aber so im Großen und Ganzen kann man schon sagen, dass er es immer einfacher hatte als ich. Das war schon damals im Studium so. Wir haben sogar einmal in der gleichen Firma gearbeitet (damals im Studium) und auch schon da war ein erheblicher Unterschied zwischen mir und ihm. Er hat z.B. immer Weihnachtsgeschenke von der Firma bekommen und ich nie. Na ja, vielleicht war das einfach eine Zeit lang eine Pechphase bei mir. Ich weiß es auch nicht so genau.
        Viele liebe Grüße :-*
        Jasmin

  5. liebste Thea,
    danke für diesen tollen Gehirnfasching – er regt mich nämlich sehr zum Nachdenken an. ich nehme es meistens einfach hin, dass ich als Frau, die noch dazu nur 1,50 m misst und gut 8 Jahre jünger wirkt (jaa die guten Gene ;) ), einfach im Nachteil bin. man traut mir weniger zu und bei allem was ich anpacke muss ich an erste Stelle immer Überzeugungsarbeit leisten.
    ein Mann hätte dieses Problem nicht :/

    und wo du auch anfangs H&M ansprichst, war ich doch etwas geschockt, wie viel Lug& Trug hinter deren Recycling-Concious Collection-Umwelt-Luftblase steckt … aber das nur am Rande.

    ich wünsche dir einen wundervollen Feiertag und ganz viel Erholung!
    ❤ Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/

    1. Ja das stimmt – das mit H&M ist eigentlich schon dreist und sehr schade, dass nicht mehr dahinter steckt 😬 Danke für deinen Kommentar, wirklich schade, dass man im Jahr 2016 noch gegen das Püppchen Image ankämpfen muss… Lg

      1. ja, das ist sehr schade …
        falls dich das mit H&M noch mehr interssiert, empfehle ich dir den neuesten Beitrag von dariadaria ;)
        ❤ Tina

  6. Hallo Thea,
    cool, ich mag den Artikel!
    Irgendwie bringt es wohl das Alter mit sich, aber ich bin gerade von jungen Müttern/Elternpaaren umgeben und ich muss euch voll zustimmen, das ist irgendwie der Knackpunkt: IMMER bleibt die Mutter zuhause. Im besten Fall schmeißt der Vater in den ersten Wochen den Haushalt, sonst geht er weiter seiner Arbeit nach, während die Frau ihre Zeit mit der Krabbelgruppe verbringt. Dadurch denk ich auch sehr viel über das Thema nach, wobei ich ne richtige Krabbelgruppen-Allergie entwickelt hab. Und am liebsten alles anders machen würde, aber wie?
    Was ich auch total prä-Emanzipation finde: Dass man nach der Hochzeit einen gemeinsamen Namen tragen MUSS. Ich werde immer noch blöd angeschaut, wenn jemand rausfindet, dass mein Mann und ich beide unsere Namen behalten haben: „Wollt ihr keine Einheit als Familie sein?“ „Was hat das mit dem Namen zu tun?“
    Hmm, sehr viele Gedanken, mit denen ich dich hier ungeordnet grad zuspamme ;) Sorry!
    Liebe Grüße, Anne

    1. Liebe Anne, freut mich sehr, dass dir der Artikel gefällt :D Ich denke das mit dem gemeinsamen Namen kommt vielleicht daher, dass es wahrscheinlich einer der wenigen Unterschiede ist, die es heutzutage zwischen nicht verheirateten und verheirateten Paaren noch gibt? Was mich persönlich noch nachdenklicher macht, ist die Tatsache, dass es fast immer klar ist, dass der Name des Mannes als gemeinsamer genommen wird – und obwohl zB mein Freund und viele meiner männlichen Freunde in vielen Sachen nicht konservativ eingestellt sind, würden sie trotzdem ihren Namen bei einer Heirat nie hergeben- weil es bei sowas immer noch zu viel Gelächter und „nicht männlich“ abstempeln kommt….. Danke für deinen Kommentar – der gar kein Spam ist :D

  7. Hey! Guter Beitrag! Natürlich ist Gleichberechtigung wichtig, aber man muss auch mal dir Kirche im Dorf lassen. Ich finde viele Menschen nehmen das ein bisschen zu ernst und wollen ja sogar Gleichberechtigung bei Ampelmännchen /Ampelfrauen ^^…das finde ich einfach nur unnötig und kann ich ehrlich gesagt auch nicht ernst nehmen….nun ja, viele liebe Grüße aus meinem urlaub schenna und genießt einfach das schöne Wetter! ;) Pia

    1. Schenna ist toll – genieß das schöne Wetter – hier kommen die Eisheiligen die nächsten Tage brrrr – ja das stimmt – das mit den Ampelmännchen finde ich auch übertrieben – ich finde eh die sehen sowieso eher unisex aus – und das Gendern im Text finde ich für mich auch unnötig – ich finde der Textfluss wird oft gestört, wenn man ständig das gleiche Wort zweimal hört a la DDR Kommittee liebe Genossinnen und Genossen, haha :D

  8. Hallo Thea,

    ich bin gerade über Tinas Blog Liebe was ist zu dir gekommen…
    Nun muss ich erst einmal ein dickes WOW für diesen Artikel loswerden und du hast mich auf jeden Fall zum nachdenken gebracht. In der Tat glaube ich, dass sich über die vielen Jahre hinweg ein bestimmtes Rollenbild manifestiert hat und das es für viele schwierig ist, diesem zu entkommen, selbst wenn sie es wollen. Ich finde dies sehr traurig und glaube, dass wir Frauen noch viel mehr für Gleichberechtigung einstehen müssen, gerade wenn es um berufliche Perspektiven und das Gehalt geht. So Sachen wie die Ampelfiguren, finde ich allerdings auch mehr als lächerlich.

    Über Stutenbissigkeit, schlimmes Wort, kann ich mich auch immer wieder ärgern, aber leider trifft es auch auf viele Frauen zu. Viele Frauen sehen in anderen weiblichen Wesen oft und relativ automatisch Konkurrenz. Besonders dann, wenn Frau selbst, die Andere als attraktiv empfindet. Ich glaube dies liegt daran, dass wir Frauen ganz schön unter Druck gesetzt werden und zwar durch medialen Einfluss. Überall auf den Plakaten oder in Zeitschriften sind wunderschöne Frauen zu sehen, die für Erfolg stehen und uns geradewegs a la es kann doch so einfach sein, ins Gesicht strahlen. Es wird regelrecht eingetrichtert, dass es ein gewisses Leitbild für Schönheit gibt und das Schönheit wichtig ist, wenn eine Frau erfolgreich sein will. Das man da als Normalo Beauty ab und an gefrustet ist, kann ich verstehen. Allerdings müssen wir Frauen auch lernen, mehr zu uns selbst zu stehen und sehen, dass jeder Mensch schon allein in seiner Einzigartigkeit schön ist und Neid/Stutenbissigkeit, somit gar nicht notwendig ist.

    liebe Grüße und danke für diesen tollen Artikel

    Rebecca

    1. Liebe Rebecca, vielen Dank für deinen Kommentar, schön, dass du hierher gefunden hast!
      Das ist doch ein schöner Gedanke, dass jeder eben ganz einzigartig ist und man Neid und schlechte Gedanken über andere gar nicht braucht – unabhängig vom Geschlecht. Ich glaube schon, dass Männer auch einen großen Konkurrenzdruck unter sich haben (an den Sprüchen, jetzt muss er mal zeigen wer den dickeren hat und so ist ja auch ein Funke Wahrheit) aber das rechtfertigt es eben auch nicht, dass Frauen sich angeblich nur weil die andere auch ne Frau ist manchmal so das Leben schwer machen. Liebe Grüße und ein tolles langes Wochenende!

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