Trump, Brexit, Le Pen und die AFD – meine Stimme gegen den Nationalismus

Über die USA-Wahl wurde schon viel gesagt und erst dachte ich, dass ich nicht auch noch meinen Senf dazu geben muss – aber irgendwie treibt mich das Thema doch so um, dass ich hier nicht einfach unbeschwert über hübsche Inspirationen weiter schreiben kann ohne darauf einzugehen.

Trump als Präsident und ob Clinton wirklich die bessere Wahl oder eine Kriegstreiberin gewesen wäre, ist die eine Frage. Aber dass rechter Populismus, Hetze und Hass weltweit auf dem Vormarsch sind, sogar in UK und USA, die so stolz auf ihre lange demokratische Tradition sind, ist schlimm für mich und jagt mir Angst ein. Bei der komplizierten Weltlage mit Flüchtlingen, Terror und Globalisierung erscheint die Rückkehr zum Nationalstaat als heimelig und die einfache Lösung. Ist es aber nicht. Denn Nationalismus gefährdert den Frieden und Parteien, die zu Rassismus, Machismus und Homophie aufrufen, fördern den Hass. Denn wenn jedes Land puren Nationalismus lebt, kommt es es irgendwann zu Krieg um Ressourcen, Geld und Macht und am Ende verlieren alle. Hat die Geschichte ja oft genug belegt. Ja, ich bin auch der Meinung, dass wir diese Wähler nicht einfach als dumm verlachen und Politiker die wütenden und Abgehängten mehr beachten sollten. Aber sprechen auf rechte Populisten wirklich nur die Abgehängten an? Ich frage mich, kommt es nicht vielen, denen es eigentlich gar nicht so schlecht geht, auch ganz gelegen, es sich von einer Partei legitimieren zu lassen, die niederen Instinkte wie Rassismus, Homophobie, Sexismus und Hass mal wieder so richtig rauslassen zu können? Ist ja auch nicht so anstrengend wie differenziert und vernünftig zu diskutieren. Und je mehr die Grenze der zivilisierten Dikussion überschritten und rumgepöbelt wird, desto mehr lassen sich anstecken und wütend machen. Denn Rechtspopulisten machen doch nicht wirklich Politik für die Abgehängten oder ist die AFD etwa berühmt für ihre innovative Sozialpolitik? Im Gegenteil, sie wollen die Sozialhilfe doch sogar noch abschaffen. Und auch wenn Trump jetzt als Präsident gemäßigter handelt als im Wahlkampf – was ich sehr hoffe – fühlen sich die Rassisten, Menschenfeinde und EU-Gegner im Recht und reiben sich schon die Hände für den nächsten Wahlkampf.

Gegen meine Ängste vor den nächsten Wahlen in Europa hilft mir, meine Werte im kleinen zu Leben. Aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob das reicht. Vielleicht müssen wir selbstbewusster für unsere Werte einstehen und nicht nur von den Politikern fordern, jetzt aufzuwachen. Es wird Zeit, dass gerade wir, die jungen Leute in Europa unseren Mund aufmachen und zeigen, dass wir unsere Zukunft in einem friedlichen und  demokratischen Europa sehen. Bevor  wieder das böse Erwachen kommt und die ewig gestrigen, der Angst-Macherei verfallenen, Schicksalswahlen a la Brexit entscheiden und wir irgendwann unseren Kindern erzählen müssen, dass es einmal ganz normal war in einem friedlichen Europa ohne Pass verreisen zu können und zusammen mit vielen anderen internationalen Studenten Erasmus gemacht zu haben. Natürlich ist es nicht so sexy und oft frustrierend, wenn die EU-Politiker in zähen Verhandlungen um Lösungen ringen, die  nicht immer die besten sind und man sich manchmal fragt, ob sie überhaupt vorwärts kommen. Aber das Ringen um Kompromisse ist ein wichtiger Teil der Demokratie. Das – und dass die EU das Projekt ist, dass die bisher längste Friedensperiode in Europa geschaffen und gesichert hat, darf bei allem Verdruss über Flüchtlingskrise, Terror und Co nicht vergessen werden.

In einem Kommentar auf Spiegel online schreibt Margarete Stokowski: „Die AfD Berlin twitterte, als das Wahlergebnis feststand: „Wir sind Präsident!“ Wir haben bis zur Bundestagswahl ein Dreivierteljahr Zeit, in unserem eigenen Land zu zeigen, dass die Rechten keine abstrakte Gefahr sind, über die wir uns dann schockiert zeigen. Sondern eine sehr reale.“

Rebecca von Ruhrstyle hat ebenfalls über das Thema geschrieben. Auch dieser Beitrag von Oliver Kalkofe ist hörenswert.

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16 Kommentare zu „Trump, Brexit, Le Pen und die AFD – meine Stimme gegen den Nationalismus“

  1. Ich finde das ein sehr schwieriges Thema. Ich befürchte ein wenig, dass es hierbei wieder laufen wird wie schon oft in der Vergangenheit. Momentan wird sehr viel darüber diskutiert, das Thema ist allgegenwärtig. Wären jetzt sofort unsere Wahlen, würde ich gute Chancen dafür sehen, dass die Leute wirklich wieder mehr wählen gehen und vor allem die AfD dadurch an Rückenwind verliert. Nur wird bis dahin noch einiges an Zeit verstreichen und ich befürchte, dass bis dahin schon wieder viele Menschen „vergessen“ haben werden, wie aufgebracht sie nun über Trump als Präsident sind…
    Ich hoffe wirklich, dass das viele Leute wach gerüttelt und gezeigt hat, dass man heutzutage auch mit solchen Entscheidungen rechnen und etwas dagegen tun muss.

    1. Danke für deinen Kommentar – du hast Recht, es ist in der Tat ein schwieriges Thema – einerseits denke ich auch, dass gerade alle geschockt sind und es viel zu früh wieder verdrängt wird beziehungsweise sich für uns als normal einschleichen wird – andererseits befürchte ich, dass gerade der Gewinn von Trump und der Brexit der AFD auch Rückenwind gibt…liebe Grüße!

  2. meine Liebe, du sprichst geau aus was ich in den letzten Tagen so oft empfunden habe!
    das Gute was ich in diesem politischen Umschwung auf der anderen Seite der Welt sehe, ist aber tatsächlich der bittere Beigeschmack, den so vielen hier in Europa gerade auf der Zunge haben. wie auch Christine oben schreibt: würden jetzt Wahlen durchgeführt, fiele das Ergebnis deuchtlich weniger beängstigend aus.
    wir werden sehen ob die nächsten Wahlen an dieser Bitterkeit verloren haben. vl rüttelt das Anti-Vorbild in den USA ja auch die Gemüter wach?!

    wünsche dir eine wundervolle Wochenmitte und sende dir auf diesem Weg auch GANZ VIEL LIEBE!
    ❤ Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/
    https://www.instagram.com/liebewasist/

    1. Ja, hoffen wir einfach mal, dass es die Gemüter wach rüttelt und wie ihr beide schreibt und zwar nachhaltig – und den rechten nicht noch mehr Auftrieb gibt. Deshalb war es mir nochmal wichtig hier Stellung zu beziehen und nicht so zu tun, als ob uns das hier alles nix angeht. Für dich auch viel Liebe zurück! <3

  3. Gute Morgen und danke, dass du doch noch einmal auf dieses Thema eingehst. Es ist-wie ich finde- unheimlich wichtig und nie zu viel, die Menschen dazu aufzurufen, gegen rechtspopulistische Parteien vorzugehen. Natürlich müssen die Politiker ihren Hintern bewegen und wieder Volksnäher bzw. wieder mehr im Interesse der Bürger agieren, aber aus Trotz, weil sie es nicht tun, auf eine Seite zu wechseln, die gefährlicher nicht sein könnte, ist ein fataler und zudem noch dummer Fehler. Leider machen sich viele Menschen oftmals keine Gedanken über die Folgen einer Trotzhandlung und deshalb ist Aufklärung das A und O. Mein Liebster und ich hatten letztens die waghalsige utopische Überlegung, dass es vielleicht interessant wäre, wenn niemand bei der nächsten Wahl wählen würde. Ein deutschlandweiter Protest gegen die Regierung, weil beide Seiten letztlich einfach nur Kacke sind und sich grundsätzlich, so ziemlich alles ändern müsste.

    Sag mal, darf ich deinen Beitrag auch noch nachträglich in meinem Beitrag über die Wahl einbinden? Ich finde nämlich, deine Worte sind eine wichtige und passende Ergänzung!

    Ganz liebe Grüße
    Rebecca

    1. Liebe Rebecca,
      klar kannst du meinen Beitrag einbinden -ich hatte dich jetzt gar nicht wegen dem Link gefragt – ich hoffe, das war trotzdem ok für dich! – Werde ab sofort beim verlinken auf Blogs wieder mehr drauf achten.

      Beim ersten Teil deines Kommentars bin ich genau deiner Meinung, so eine Trotzreaktion hilf einfach nicht. Daher glaube ich aber auch, dass nicht zur Wahl gehen ebenso wenig hilft – weil es keine konstruktive Lösungen für die Probleme, die ja nun mal da sind, anbietet. Meiner Meinung nach hat die Regierung auch ihre Fehler und nicht alles richtig gemacht – aber gleich Kacke wie die Rechten würde ich sie dennoch nicht bezeichnen. Ich denke es ist wichtig, dass die demokratischen Parteien jetzt alle an Lösungen arbeiten müssen, die sie den Wählern – gerade den abgehängten in der Gesellschaft anbieten – und nicht mit ihren Machtspielchen innerhalb der Großen Koalition und Union die Wähler vergraulen und noch mehr Stimmung gegen sich selbst machen sollten.

      Ganz liebe Grüße zurück und danke für deinen Kommentar!

  4. Liebe Thea,
    ich fand die Wahlen in den USA auch zweischneidig. Ich hätte keinen der beiden gewählt. Leider stand ja Obama nicht mehr zur Debatte, was ich sehr unglücklich fand.
    Die AfD ist in meinen Augen ein Armutszeugnis Deutschlands. In meinen Augen haben wir komplett versagt, dass es immer noch Menschen gibt, die im letzten Jahrtausend leben und ihre Augen vor der Realität verschließen. Fakt ist, dass es schon lange keinen Deutschen im herkömmlichen Sinne gibt, so wie es auch schon seit Ewigkeiten keinen Amerikaner im herkömmlichen Sinne gibt, Geschweige denn jemals gegeben hat. Wir sind schon lange die „Welt“, „Europa“, was auch immer. Es gibt keinen reinen Deutschen und das ist auch gut so! Nein, es ist sogar richtig gut so! Wenn wir rechtspopulistisch denken, dann verdammen wir uns selbst. Diese Diskussionen der AfD sind also lächerlich und Trump’s Wahlkampf war es auch. Wenn wir heute alle Menschen in Deutschland, die nicht rein deutsche Wurzeln haben dazu auffordern würden aufzustehen und zu gehen, dann wäre Deutschland leer, nein es wäre sogar tot.
    Wir sollten den Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge setzen: wie können wir gemeinsam ein schönes und glückliches Deutschland aufbauen, ein Deutschland, das für die nächsten Generationen ein Land ist, in dem wir alle gerne leben und zwar in Frieden und gegenseitigem Respekt. Punkt.
    Ich warte noch immer auf diesen Tag an dem wir endlich einmal Frieden leben und nicht nur immer davon reden!
    Liebe Grüße und danke für deinen tollen Text und die Inspiration :-*
    Jasmin

    1. Liebe Jasmin,
      I feel you! Ich werde Obama auch sehr vermissen – danke für deinen positiven Kommentar – anstatt immer nur auf die wütenden zu hören ist es eine schöne Vorstellung, für ein besseres Deutschland zu kämpfen und die guten Werte hochzuhalten <3

  5. Ich finde das Thema total wichtig und sehr gut, dass du darüber schreibst. Ich finde es erschreckend, dass es momentan bei Wahlen mehr um Emotionen als um Fakten geht. Und rassistische, chauvinistische, diskriminierende Menschen die Möglichkeit haben, das mächstigste Amt der Welt zu bestreiten. Egal wie er sich jetzt macht und ob das Übel dann doch vielleicht nicht so groß ist, wie befürchtet: Was Trump gesagt hat, bleibt gesagt! Und wir können hier nur hoffen, dass wir daraus gelernt haben und die Fehler der Vergangenheit nicht erneut begehen.
    Liebst, Bina
    stryleTZ

  6. Du hast es auf den Punkt getroffen! Ich finde deine Themenvielfalt auf dem Blog sehr gut: Du befasst dich ausführlich mit den schönen Seiten des Lebens, hast aber auch den Mut den Mund aufzumachen, wenn in der Welt grad gar nicht stimmt. Bin stolz, dich als Freundin zu haben!

  7. Hi, danke für deinen wundervollen Text! Ganz ähnlich geht es mir und ich bin wie du der Meinung, dass wir jungen Menschen unseren Gleichaltrigen zeigen müssen, dass Demokratie etwas ist für das man streiten muss.

    Ich lebe das, was in den nächsten Wahlen auf dem Spiel stehen wird. Ich bin momentan als Erasmus-Student in Paris, verbringe die meiste Zeit hier mit Menschen aus allen Ecken der Welt und erlebe gleichzeitig, was Angst vor Terror verändert. Auf allen Plätzen, die bei Touristen beliebt sind, und an den schönsten Orten patrouillieren hier schwer bewaffnete Soldaten. Die Eingänge von Museen, Einkaufszentren und Universitäten werden aufwändig bewacht und das Land befindet sich offiziell im Notzustand. Mich stört das und ich bezweifle, dass dadurch Attentate verhindert werden können.

    Die Motivation meines Blogs kommt der Aussage deines Textes sehr nahe und ich freue mich wieder jemanden gefunden zu haben, der sich auch gegen Angstmache wehrt und den Mut behält ein offenes Leben zu haben, einfach weil es so viel mehr Spaß macht! Danke.

    1. Das freut und erleichtert mich sehr, dass man auch mit politischen Texten auf einem Lifestyleblog Menschen findet, die einen bestärken und der gleichen Meinung sind. Gerade in der Erasmus Zeit muss die Erfharung mit dem erstarkenden Populismus noch unverständlicher wirken, als so schon. Mein Erasmus-Semester war bereits 2004 aber es hat mich zu einem überzeugten Europäer und Weltbürger gemacht. Ich schaue gerne mal bei dir vorbei, lg *thea

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